Unter dem Motto WE ARE HERE! entwickelt die 2. Roma-Biennale  die Vision einer zutiefst solidarischen, radikal diversen und gerechten Gesellschaft. In fünf Kapiteln, anlässlich fünf verschiedener Jahrestage, die mit der Geschichte und Gegenwart der Roma* und Sinti* zusammenhängen, setzen sich 50 Künstler*innen mit fünf verschiedenen Aspekten des HIER SEINS aus der Perspektive der Rassifizierten, Unterdrückten und Marginalisierten: Selbstbekenntnis, Widerstand und Resilienz, Überleben, Erinnerung und schließlich die eigentliche Tatsache der Existenz. Die Biennale-Kampagne umfasst eine Plakatgalerie, online- und Open-Air-Veranstaltungen sowie Interventionen im öffentlichen Raum in Berlin über einen Zeitraum von knapp acht Monaten.

Die anhaltende Pandemie macht die Unterschiede in Bezug auf Wohlstand, politische und soziale Machtverhältnisse und (Über-)Lebenschancen noch sichtbarer und dringlicher als zuvor und diejenigen, die schon vor der Pandemie prekär lebten, stehen nun oft am Rande des Überlebens. Gleichzeitig versagen Deutschland und Europa immer wieder bei der Bekämpfung rechtsextremer Strukturen innerhalb und außerhalb des staatlichen Systems. Roma* und Sinti*, Schwarze, jüdische, queere Communities und People of Color, insbesondere Frauen, werden nicht ausreichend geschützt, wie 2020 nicht zuletzt die rechtsterroristischen Mörder von Halle und Hanau gezeigt haben. Also ist das Motto: WIR HIER SIND – trotz dem Kolonialismus und seinen Kontinuitäten in der sog. Rassenkunde, trotz dem Nationalsozialismus und der Genozide, und trotz dem heutigen Antiziganismus, Antisemitismus und Rassismus.

Kunst ist kein Luxusgut. Insbesondere in der Pandemiezeit und angesichts der vielen Krisen auf der Welt ist Kultur notwendiger denn je. Sie stellt eine Chance auf Selbstermächtigung und Solidarität mit allen, denen keine Sicherheit zugestanden wird, und die von der Teilhabe an lebensnotwendigen Ressourcen ausgegrenzt werden oder durch Abschiebungen gar daran gehindert werden, hier zu sein. Die 2. Roma-Biennale WE ARE HERE! ist deswegen antiinstitutionell, antielitär und partizipativ. Sie ist für jede*n zugänglich, um sie im öffentlichen Raum und online zu erfahren, mit nach Hause zu nehmen und vor allem im eigenen Kiez zu verbreiten.

Neben der Plakatgalerie bietet die Website eine Reihe weiterer Kunstwerke an, wie z.B. Videokunstwerke, Songs und Texte, die die Plakatkampagne begleiten.