© Acornhoek, South Africa (Unsplash)

Bewerbugnsfrist bis zum 15. März 2022!

www.may-ayim-fonds.de

Who: Each One Teach One (EOTO)

Where: Germany

When: 01.01.2021 - 31.12.2022

With: 
European Network Against Racism (ENAR)

Mit dem May Ayim Fonds wird erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ein Fördertopf zur Förderung der politischen Bildungsarbeit Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Communities aufgesetzt. Das Ziel des Fonds, ist die finanzielle und ideelle Unterstützung von selbstorganisierten Schwarzen Aktivist*innen, Initiativen und Organisationen in Deutschland, die sich mit ihren Ideen und Aktivitäten für eine rassismuskritische Gesellschaft und für das Empowerment Schwarzer Menschen einsetzen.
Durch Förderung von Klein- und Kleinstprojekte soll die zivilgesellschaftliche Ermächtigung und Partizipation von Schwarzen Community-Akteur*innen im Rahmen der politischen Bildung gestärkt und Barrieren im Feld der Förderlandschaft abgebaut werden. Dafür werden Projekte mit einer Mikrofinanzierung von bis zu 5.000 EUR über einen Förderzeitraum von 6 Monaten gefördert und durch bedarfsgerechte Angebote (z. B. Capacity Building Workshops, weitergehende Fördermittelakquise, Vernetzung mit Expert*innen) begleitet. 

Schwarze Menschen sind oft in informellen Gruppen und Netzwerken, innerhalb religiöser Gemeinschaften oder in kleinen Vereinsstrukturen organisiert, die schwer Zugang zu finanzieller Förderung für zivilgesellschaftliches Engagement und politische Bildungsarbeit erhalten. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer vielfältigen Lebensrealitäten und Diskriminierungserfahrungen: Junge Schwarze studierte Frauen; afrodeutsche Erfahrungen  in Industrievierteln, auf dem Land oder in der Kleinstadt; Schwarze Sportler*innen in Vereinen in Großstädten; der Kampf um Grundrechte von afrikanischen Geflüchteten; das Leben in Schwarzen Kirchen oder Moscheen; oder die alltägliche Innovationskraft von Kleinunternehmer*innen in Afroshops, Barbershops und Beautysalons - all diese Perspektiven und Erfahrungen sind wichtig und spiegeln die vielfältigen Lebensrealitäten Schwarzer Menschen in Deutschland wider.

In Deutschland leben laut Mikrozensus über 850.000 Menschen afrikanischer Herkunft (eng. People of African descent = PAD) der ersten und zweiten Generation. Sie sind eine der jüngsten Gruppen in Deutschland und laut Bundesregierung neben Sinti und Roma, jüdischen Menschen und muslimisch(-markierten) Menschen eine der vier Gruppen, die in besonderer Weise von rassistischer Diskriminierung betroffen sind – auch über die 2. Generation hinaus. Auf dem Arbeitsmarkt, im Gesundheitswesen, in der Schule und in vielen anderen Bereichen fehlt es jedoch an Ansätzen Anti-Schwarzen-Rassismus aktiv und durch spezifische Fördermaßnahmen zu bekämpfen.

May Ayim (mit bürgerlichen Namen Sylvia Brigitte Gertrud Opitz) war eine afrodeutsche Dichterin, Denkerin und Aktivistin. Sie wurde 1960 in Hamburg geboren und wuchs in Münster bei ihrer Adoptivfamilie Opitz auf. Mit Abschluss ihres Abiturs zog sie nach Regensburg und studierte Pädagogik. 

Bis dahin war May Ayim wenig bis keinen affirmativen (empowernden)  Identitätsangeboten in der deutschen Gesellschaft begegnet, weshalb sie sich zur Auseinandersetzung mit ihren kulturellen Bezügen nach Ghana aufmachte und ihre familiären Kontakte aufsuchte und kennenlernte. 

Als sie zurückkehrte, schloss sie ihr Studium in Regensburg ab und zog weiter nach West-Berlin, wo sie erstmals mit Schwarzen deutschen Frauen und Aktivistinnen in Kontakt kam. Insbesondere inspirierte Audre Lorde – eine Schwarze US-amerikanische Wissenschaftlerin und Poetin, – sie und andere junge afrodeutsche Frauen zu dieser Zeit in Berlin, sich mit ihrer Schwarzen und zugleich deutschen Identitäten auseinanderzusetzen.

May Ayim veröffentlichte in Zusammenarbeit mit Katharina Oguntoye in den 90er Jahren daraufhin das Buch Farbe bekennen, das Teile der afrodeutschen Geschichte aufarbeitet. In Farbe bekennen wurde erstmals die Gegenüberstellung von Schwarz-Sein und Deutsch-Sein kritisch beleuchtet und aufgezeigt, dass es sich dabei stattdessen um eine bereits lang gelebte Erfahrung in Deutschland handelt. Dieses Buch und darauf folgende Schwarze Initiativen und Workshops resonierten mit vielen Schwarzen Aktivist*innen und setzten beispielsweise erste Fundamente für die Entwicklung der Initiative für Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) e. V. sowie ADEFRA e. V.