Auf der Suche nach Strategien des Widerstands gründeten Milo Rau, das IIPM (International Institute of Political Murder) und das NTGent im Mai 2020 eine global vernetzte School of Resistance als Livestream-Debattenreihe. Nun landet sie als symbolische Institution der Zukunft an der Akademie der Künste, Berlin, und hinterfragt in Rückgriff auf bisherige Projekte ästhetische Praktiken des Widerstands. Aktivist*innen und Künstler*innen diskutieren gemeinsam über Kunst als transformatorische, realitätsschaffende Praxis. Seit bald 15 Jahren beschreiben, bearbeiten und transformieren das IIPM/Milo Rau mithilfe von Installationen, Theaterstücken, Filmen, Büchern und politischen Interventionen die Widersprüche des globalen Kapitalismus. Die Verschränkung von Aktivismus und Kunst führt dabei zu einer Erweiterung künstlerischer Strategien und trägt zugleich zur Entgrenzung des Kunstbegriffs bei. Wie kann Kunst auf Zustände der Krise reagieren? Wie kann sie zu Strategien des Widerstands beitragen? Sechs filmische Arbeiten des IIPM/Milo Rau bilden bei dieser Untersuchung den Ausgangspunkt: The Last Days of the Ceausescus (2009/10), The Moscow Trials (2014), The General Assembly (2017), The Congo Tribunal (2017), Orestes in Mosul (2020) und The New Gospel (2020). Dabei hinterfragt die School of Resistance an der AdK die Bedingungen globaler Kunstproduktion ebenso wie die künstlerischen Strategien des IIPM selbst. Die Interventionen und Formate des IIPM können bereits bestehenden Aktivismus künstlerisch rahmen sowie sichtbar machen. Und doch sind die Voraussetzungen und Realisierungen globaler Solidarität immer widersprüchlich: Um wessen Kampf geht es und wie kann dieser unterstützt werden? Wer bringt sich eigentlich in Gefahr? Wer nutzt und wem nützen die Bilder künstlerischer Interventionen? Ist utopische Bilderproduktion – wie etwa der umstrittene „Sturm auf den Reichstag“ nach der „General Assembly“ (2017) – eine mögliche Vorlage für gegenläufige politische Ausformungen?