In Debatten, Präsentationen, Vorträge, Workshops und Lesungen sind die Teilnehmer*innen von Re:Writing the Future einander begegnet und haben voneinander lernen können. Eine Erkenntnis zum Beispiel war, dass in Zeiten von Covid-19 Kultur mit Leere, Verzweiflung und sogar Tod assoziiert wird, aber ebenso mit Innovation, Kreativität und Solidarität. Ein anderes Beispiel: Die Frage „Was braucht ein dynamisches kulturelles Ökosystem“ wurde einhellig mit: „Diversität“ beantwortet.

Performances und Konzerte, spontane Chats, interaktive Umfrage unter Zuschauer*innen und anregende Gespräche in den Workshops machten das Festival lebendig obwohl – oder vielleicht auch weil – es virtuell stattfinden musste. Deshalb freuen wir uns, dass viele der Teilnehmenden neue Einsichten teilten („Künstler*innen und Sozialarbeiter*innen sollten enger zusammenarbeiten“) und sich inspiriert fühlten, neue Fragen zu stellen („Wie können Menschen ihre Lebensgeschichten erzählen und zugleich ihre Würde schützen?“). Vor allem aber sind wir glücklich, dass viele nach dem Festival berichteten, dass sich die Welt wieder „etwas näher anfühle“ und dass ein Gefühl von „Hoffnung“ entstanden sei.

Re:Writing the Future war ein Festival von und für diejenigen von uns, die ihre Heimat verlassen mussten, weil sie Kunst schaffen. Von und für diejenigen, die sich dafür einsetzen, dass Städte für neue Stimmen offen bleiben. Von und für diejenigen, die kreative Räume erschließen, um neue Perspektiven zu entwickeln. Hoffentlich trugen vier Tage offenen Austauschs dazu bei, eine neue Zukunft zu schreiben!

Unter den beteiligten Künstler*innen und Gästen waren u. a. Swetlana Alexijewitsch, Ghayath Almadhoun, Mohammad Ashraf, Khaled Barakeh, Can Dündar,  Ali Hassan, Wolfgang Kaleck, Esra Karakaya, Herta Müller, Rasha Nahas, Marina Naprushkina, Milo Rau, Hakan Savaş Mican, Nazeeha Saeed, Elisabeth Wellershaus, Eyal Weizman et. al.  

Highlights aus dem Programmarchiv

Berliner Korrespondenzen Spezial mit Swetlana Alexijewitsch und Herta Müller

Zwei der bedeutendsten Schriftstellerinnen unserer Zeit begegnen sich in Berlin auf der Bühne: Swetlana Alexijewitsch und Herta Müller haben Diktatur, Verfolgung und Ungerechtigkeit erlebt und daraus außergewöhnliche Literatur geformt. Beide suchen in ihrem Schaffen unablässig Wege, den Erfahrungen der zu selten Gehörten oder der zu oft Vergessenen eine Stimme zu verleihen. Sie sprechen darüber, wie Geschichte neu geschrieben werden kann und wie aus einer Praxis des Widerstands eine Sprache der Hoffnung wird.

Kunst im Exil - Herausforderungen, Erfahrungen und kulturelle Praktiken in Berlin

Die Stadt Berlin hat viel kulturelle Erfahrung und Praxis mit Kunst und Künstler*innen im Exil. Über die damit verbundenen Herausforderungen und Rahmenbedingungen und wie es möglich ist, dass trotz allem die Kunst im Mittelpunkt steht, darüber spricht Moderatorin Esra Küçük (Allianz Kulturstiftung) mit Shermin Langhoff (Maxim Gorki Theater) Marina Naprushkina (Künstlerin, Neue Nachbarschaft/Moabit e.V.), Sasha Waltz (Choreografin, Sasha Waltz & Guests).

Artist Talk mit Esra Karakaya #2 - Mariana Katzarova, Maryna Rakhlei 

Im zweiten von drei "Artist Talks" beim Festival Re:Writing the Future spricht die preisgekrönte Moderatorin Esra Karakaya mit Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Mariana Katzarova (RAW in WAR) und der politischen Analystin Maryna Rakhlei (German Marshal Fund). Sie diskutieren, wie Solidarität mit bedrohten Journalistinnen und Aktivistinnen weltweit praktiziert werden kann, in welch schwieriger Lage die regierungskritischen Proteste in Belarus sind und was es bedeutet, als Frauen im Bereich Menschenrechte und politischer Aktivismus zu arbeiten.

Freemuse Report on the State of Artistic Freedom 2021

Die NGO Freemuse protokolliert Einschränkungen der Kunst- und Meinungsfreiheit weltweit. Beim Festival Re:Writing the Future stellten sie ihren Jahresbericht 2021 vor. Mit: Luis Manuel Otero Alcántara (Bildender Künstler), Shahidul Alam (Photojournalist, Lehrer und Aktivist), Rita Dewan (Baul Sängerin), Shurooq Amin (Bildende Künstlerin), Aslı Erdoğan (Schriftstellerin), KAK (Cartooning for Peace), Christian Mihr (Reporter Ohne Grenzen), Srirak Plipat (Freemuse). Präsentiert von: Nazeeha Saeed (Journalistin)

Solo Performance 'The Fall" von Rasha Nahas | Aus dem Album "Desert"

Wenige Künstler*innen wurden vom Corona-Lockdown stärker betroffen als Musiker*innen. Bühnen sind geschlossen, Menschen dürfen nicht zusammen kommen. Doch Musik hilft uns durch die Pandemie. Schauen Sie eine spezielle Solo-Performance der in Berlin ansässigen palästinensischen Sängerin Rasha Nahas. Ihre unverwechselbaren Klanglandschaften und die einzigartige künstlerische Identität, die sie erschaffen hat, wurden durch die Underground-Szene ihrer Heimatstadt Haifa geprägt.

Undoing prison | Diskussion mit Zehra Doğan, Can Dündar und Aslı Erdoğan

Viele Texte bringen ihre Autor*innen ins Gefängnis oder werden während oder nach einem Haftaufenthalt verfasst: Fjodor Dostojewski schrieb im Gefängnis Prosa, Rosa Luxemburg Aufsätze, Nâzım Hikmet übersetzte Tolstois Krieg und Frieden. Die Erfahrung als Denker*innen in einem autoritären System besonders unter Druck zu stehen, verbindet die Bildende Künstlerin und Journalistin Zehra Doğan, die Schriftstellerin Aslı Erdoğan und den Journalisten Can Dündar. Sie teilen das Schicksal, in der Türkei als »Staatsfeinde« angeklagt, im Exil zu leben. Moderation: Nil Multuer. 

Das Festival Re:Writing the Future wird von der Allianz Kulturstiftung ausgerichtet, in Kooperation mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD und dem Maxim Gorki Theater Berlin, in Partnerschaft mit ICORN und gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa

Ein Kurator*innenteam, bestehend aus dem Dichter und Essayisten Max Czollek, Silvia Fehrmann (Berliner Künstlerprogramm des DAAD), Esra Küçük (Allianz Kulturstiftung) und Johannes Kirsten (Maxim Gorki Theater) war für die konzeptionelle Entwicklung des Festivals verantwortlich. 

© Marcel Wogram
Alle online Elemente des Festivals wurden von polisphere realisiert. Der Live-Stream wurde von 65 Studios produziert (Produzentin: Esra Karakaya, Regie: Ibrahim Utku Erdogan). Die Projektwebseite wurde von Youssef Adlah gestaltet, Content Management: Philipp Schwarz. Die verantwortlichen Projektleiter*innen waren  Nino Klingler, Leila El-Amaire und Basma Baghat, Assistenz: Friederike Schneider, freie Mitarbeiterin: Nazeeha Saeed. Für Öffentlichkeitsarbeit zuständig waren Julian Hellebrand, Feray Halil und Tatjana Kirchner. Das Team der Allianz Kulturstiftung war in allen Phasen der Umsetzung involviert: Alban Genty, Katrin Thomaneck, Katharina Thomas, Dennis Vogel. Gästebetreuung: Heidrun Paape.