Photo credit: Agnieszka Bekalarczyk

Festival Góry Literatury 

Wer: Fundacja Olgi Tokarczuk

Wo: Nowa Ruda/ Kłodzko Valley (Polen)

Wann:  13.-20. Juli 2022

Mit wem: Broumov Stadt

Benelux Countries

European Commission u.v.m.

 

„Immer noch gibt es Samen einzusammeln und Platz im Sternenbeutel.“ – Ursula K. Le Guin

„Wenn sich die Geschichte verändert, verändert sich auch die Welt.“ – Olga Tokarczuk

Die 7. Ausgabe des Festivals Góry Literatury findet vom 13.-20. Juli 2022 statt. Die zentrale Idee des diesjährigen Festivals ist von Ursula K. Le Guin inspiriert, die 1986 in einem Text mit dem Titel „The Carrier Bag Theory of Fiction“ (dt: „Die Tragetaschentheorie des Erzählens“) die Vorstellungen und Konzepte, nach denen die kollektive Erinnerung an die Menschheitsentwicklung von der Schaffung und dem Gebrauch von Gewaltwerkzeugen – Knochen, Speere, Äxte etc. – verkörpert wird, als intellektuellen Betrug entlarvt. Der Schriftstellerin zufolge finden sich die Grundlagen der Zivilisationsanfänge in Körben, Beuteln und Netzen – Behältnissen, in denen wir nützliche Dinge sammeln, die wir dann nach Hause tragen, mit anderen teilen und selbst nutzen können. Wir erweitern diese Vorstellung und achten dabei nicht nur auf die darin enthaltenen Werte und Inspirationen, sondern widerlegen auch die nach wie vor dominierende Lesart: Die Schwerpunktverschiebung im Ursprungsmythos der Menschheit vom männlichen Helden zum menschlichen Sammler – oder der menschlichen Sammlerin. Dies ermöglicht eine andere Perspektive auf das Stereotyp des Weiblichen. Das verächtliche, aber immer noch verbreitete Bild einer „Frau mit schweren Taschen“ verändert seinen Charakter. Es wird zu einer Geschichte über die wirklichen Anfänge und Ursprünge der Menschheit.

Dieses Jahr wird das Festival ein riesiger Korb sein, in dem – dank der Autor*innen, Künstler*innen und Akademiker*innen – die Samen vieler Ideen gesammelt werden, die für die gegenwärtige Welt von enormer Bedeutung sind. Diese werden mit den Teilnehmenden geteilt, als Versuch, die Welt zum Besseren zu verändern – loyaler, gleicher, gerechter.

Die diesjährige Festivalausgabe beinhaltet Begegnungen mit Autor*innen, Konzerte, Filmvorführungen und Ausstellungen, legt aber einen besonderen Schwerpunkt auf Debatten über Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit, Feminismus und Ökologie. Die Teilnehmenden diskutieren über diverse Formen von Protest, sammeln Geschichten der Bevölkerung vor Ort und definieren Veränderungen unter dem Gesichtspunkt von Identität und Zukunftsgestaltung. Am Beispiel der Benelux-Länder wird das Festival zu den Gründungswerten der Europäischen Union zurückkehren, um über Koexistenz, Vielvölkerstaaten und Vielsprachigkeit zu diskutieren, wie auch über aktuelle Herausforderungen der Gegenwart.

Bei Bergwanderungen werden die Teilnehmenden die tschechische Grenze überqueren in Begleitung von Botaniker*innen und Dichter*innen, die über die Grenzenlosigkeit der Natur sprechen. Neben Schreib- und Lese-Workshops  für junge Menschen und Erwachsenen wird ein Seminar über den Surrealismus sowie eine genreübergreifende Ausstellung junger polnischer Kunst organisiert.