Wer: Freeszfe Egyesület

Wo: Budapest (Ungarn), Salzburg (Österreich), Ludwigsburg (Deutschland), Verscio (Schweiz), Białystok (Polen) 

Wann: 01.09.2021 - 01.07.2022

Mit wem: Universität Mozarteum, Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg,Accademia Dimitri, Akadémia Teatralna im. Aleksander Zelwerowicza w Warszawie

Das Emergency Exit Programm wurzelt im Widerstand gegen die Privatisierung der SzFE (Universität für Theater- und Filmkunst in Budapest). Der politische Hintergrund ist, dass die ungarische Regierung sogenannte “private Stiftungen“ an jeder Universität einsetzt. Der Vorstand – der vom Ministerium genehmigt werden muss – kann nicht entfernt werden, wählt seine eigenen Mitglieder und besitzt alle Rechte eines Universitätssenats. Ein Argument, das oft dafür vorgebracht wird, ist, dass diese Konstruktion den Universitäten helfe, unter dem Gesetz des Markts zu agieren und vom Staat unabhängig zu sein. Die einzige Finanzierungsquelle bleibt jedoch staatliche Förderung.

Die Mitglieder der Universität besetzten aus Protest 71 Tage lang die Universitätsgebäude. Die Studierenden, Lehrenden und Angestellten organisierten Veranstaltungen, mobilisierten Zehntausende und zeigten sich anderen stigmatisierten Gruppen gegenüber solidarisch. Trotzdem nahm die Regierung nicht von ihrem Plan Abstand. Daher übernahmen sechs westeuropäische Universitäten die Aufgabe, den Studierenden ihre Abschlüsse zu ermöglichen, wodurch es ihnen möglich wurde, die SzFE zu verlassen, die nicht mehr die ihnen vertraute Institution war. 

Die neu gegründete Freeszfe Society – zu deren Mitgliedern auch die Teilnehmer:innen der Blockade gehören – bietet die finanziellen und materiellen Rahmenbedingungen, während die Universitäten ihre eigenen Akkreditierungsmechanismen nutzen. Ein Sonderstatus für Studierende (der vor allem im deutschen Sprachraum Anwendung findet) und die gemeinsamen Richtlinien für das Hochschulwesen in der EU bilden den rechtlichen und praktischen Hintergrund dieser Operation. Praktisch zusammengefasst, haben die Teilnehmer:innen die erste gemeinsame Hochschule gegründet, wobei eine zivile, gemeinnützige Vereinigung im Mittelpunkt steht.

Gegenwärtig nehmen etwa 150 Studierende (und ebenso viele Lehrende) an diesem Programm teil. Aufgrund der Besonderheiten des Sonderstatus betrifft es vor allem diejenigen, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Die Vereinigung schließt Verträge mit Gemeinden, gemeinnützigen Organisationen und unabhängigen Kulturinstitutionen, um genügend Raum anzubieten. Neben ihrer Rolle als operative Organisation fungiert die Freeszfe Society auch als Produzentin der Examensarbeiten und -filme. 

Die Aufrechterhaltung des Emergency Exit Programms stellt die Vereinigung vor enorme Herausforderungen. Sie wird finanziell hauptsächlich aus zwei Quellen gespeist: einerseits Mikrotransaktionen (vor allem via Patreon) und andererseits das europäische Tenderverfahren. Die Unterstützung der Allianz Kulturstiftung wird uns helfen, unseren Studierenden im akademischen Jahr 2021/22 angemessene Stipendien anzubieten. Dies ist eine entscheidende Bedingung dafür, dass unsere Studierenden aus einem weniger wohlhabenden Umfeld das Programm nicht verlassen müssen.