© Tomaschko

Wer:  Berlin Biennale 

Wann: 4. - 10. Juli 2022

Wo: Berlin

Mit Wem: BMW Group,  Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)  ,  Goethe Institut e. V.  

Erscheinungsbild, 12. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, 11.6.–18.9.2022, Martin Wecke Design Code Lab & MBI Graphic & Type Design Fabian Maier-Bode
Der von Reem Shadid konzipierte und geleitete BB12 Curators Workshop: It Speaks to Me wird sich mit der Frage nach einer neuen Sprache für Kunst und künstlerische Praxis befassen. Kunst ist von Natur aus und unablässig auf der Suche nach angemessenen Formen der Sprache, um unsere gegenwärtigen Verhältnisse zu thematisieren, sich mit ihnen auseinanderzusetzen oder sie zu überwinden. Rasanjte Veränderungen in der Technologie und in den Produktionsweisen der Kunst sowie die zunehmende Institutionalisierung der künstlerischen und kuratorischen Praxis halten jedoch gefangen in einem geschlossenen Kreislauf, der dieselbe Sprache in neuen und vertrauten Formen, Medien und Ästhetiken recycelt und wiederkäut. Die Sprache der Kunstwelt entfremdet sich so mehr und mehr von den Verhältnissen, denen sie sich widmen will. Was tun wir also, wenn die Sprache, die wir verwenden, angesichts sich ständig weiterentwickelnder kolonialer, kapitalistischer und patriarchaler Systeme und Muster nicht mehr ausreicht, um bestehende Gespräche fortzusetzen oder zu verändern? Wie können wir eine Sprache finden, die stärker in der konkreten Praxis verwurzelt ist? Der Workshop lädt die Teilnehmenden zu einem Nachdenken darüber ein, wie die kuratorische Praxis sich die Sprache wieder aneignen kann, um neue Räume zu erschließen und neue Gespräche führen zu können.

Der Kolonialismus wirkt in der Gegenwart fort, auch lange nachdem Menschen im Globalen Süden ihre politische Unabhängigkeit erreicht haben. Über 500 Jahre koloniales Denken und Handeln haben alle Bereiche des Lebens geprägt – in den Gesellschaften des Südens genauso wie in denen des Nordens. Koloniale Gewalt, Faschismus und kapitalistischer Raubbau dauern an und neue Spielarten entstehen. Wissen, Denken und Handeln von kolonialen Mustern zu befreien, ist der Antrieb eines dekolonialen Prozesses, der dazu auffordert, Gelerntes zu verlernen und den eigenen Standpunkt immer wieder zu hinterfragen. Kader Attia blickt auf mehr als zwei Jahrzehnte dekoloniales Engagement zurück. Als Künstler, Denker und Aktivist hat er sich insbesondere mit dem Begriff der Reparatur, zunächst von Objekten und körperlichen Verletzungen und schließlich von individuellen und gesellschaftlichen Traumata, beschäftigt. Die Reparatur hat sich dabei als eine Möglichkeit kulturellen Widerstands erwiesen, als eine Art der Handlungsmacht, die in unterschiedlichen Praktiken und Wissensformen Ausdruck findet. Als Kurator der 12. Berlin Biennale macht Kader Attia diesen Ansatz zum Ausgangspunkt eines Programms, das Beitragende und Publikum in eine kritische Debatte involviert und in eine gemeinsame Suche nach Wegen, für das Jetzt Sorge zu tragen.

Die 12. Berlin Biennale bespielt mehrere Orte in der Stadt mit Ausstellungen, Interventionen und Veranstaltungen und erstreckt sich als diskursiver Raum über verschiedene Bereiche der Wissensproduktion. Vom 11. Juni bis zum 18. September 2022 entwickelt sich ein vielstimmiges Programm, in dem Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen zusammenkommen.  Mehr Informationen 

Seit 2006 veranstalten die KW Institute for Contemporary Art und die Allianz Kulturstiftung gemeinsam mit ihren Partnern (Goethe-Institut, BMW Group und seit 2016 Institut für Auslandsbeziehungen, ifa) den internationalen Curators Workshop, um jungen Kurator*innen aus aller Welt die Chance zu bieten, sich im Rahmen der Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst theoretisch und praktisch zu professionalisieren. Der Workshop dient dem Ideenaustausch und der Erörterung kuratorischer Inhalte und Praktiken mit dem Ziel, die Eigeninitiative und den internationalen Austausch zu fördern.

Der Curators Workshop folgt dabei einem Verständnis von Bildung als Befreiungspraxis und ist dabei offen für Widersprüche, Vielschichtigkeiten, Diskussionen und für Prozesse des Scheiterns. Es reicht nicht aus, Wissen über ein Thema zu generieren, es ist notwendig, neue Präsentationsformen zu finden, die unhierarchisch organisiert sind. Aus diesem Grund ist der Workshop auch als Erprobungsraum neuer Formate angedacht.

In Seminaren, die sich inhaltlich an dem Motto der jeweiligen Biennale orientieren, tauschen sich die jungen Kuratoren untereinander und mit Experten aus, entwickeln eigene Ideen und setzen diese um. Begleitet werden die jungen Kuratoren bei diesem Prozess von wichtigen Persönlichkeiten ihres Fachs und des internationalen Kunstbetriebs.

Die Allianz Kulturstiftung hat – bereits kurz nach ihrer Gründung im Jahr 2000 – durch ihre Förderung der 2. und 3. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst maßgeblich dazu beigetragen, dass die Berlin Biennale nach ihrer ersten Ausgabe im Jahr 1998 nicht nur eine kurzfristige Episode blieb, sondern sich als neues Format national und international behaupten konnte. Seit der 4. Ausgabe führt die Allianz Kulturstiftung ihr Engagement mit der Förderung des von ihr mitbegründeten Curators Workshop auch 2020 fort.

Der von Pip Day konzipierte bb11 Kuratorenworkshop wurde In Reaktion auf die aktuellen Corona-Beschränkungen radikal umgestaltet und folgte dem Bestreben, Strukturen, Netzwerke und Sicherheitsnetze zu stärken. Er richtete sich an in Berlin ansässige Nachwuchskurator*innen, Pädagog*innen und andere Praktiker*innen (unabhängig vom Alter), die in der ersten oder zweiten Generation neu in Berlin leben, die aus der Rising Majority stammen oder sich in prekären Situationen befinden. Die Teilnehmer*innen erhielten ein Stipendium. Da Lebensumstände immer spezifisch  sind und  Wissens stets situiert ist, kamen die Teilnehmer*innen zusammen, um darüber nachzudenken, wie sie sich jetzt zusammenfinden können: How now to gather. Der Workshop wendete sich an alle, die sich für den Aufbau neuer Bewegungen und für neue Formen des Zusammenlebens und der Praxis von Solidarität interessieren - und dafür, wie ein system change herbei geführt werden kann. 

Der Curators Workshop der 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst fand vom 30. August bis 9. September 2018 unter dem Titel "Curators Workshop: BBX Crit Sessions" statt. 15 aufstrebende Kurator*innen und Personen aus der kuratorischen Praxis nahmen an dem zehntägigen Workshop unter der Leitung von Antonia Majaca und Sohrab Mohebbi teil.  Das Programm untersuchte die Ausstellung als komplexes Netzwerk materieller, politischer und ästhetischer Abhängigkeiten. Dabei lag der Fokus auf den sichtbaren und unsichtbaren Allianzen und Beziehungen, wobei die Biennale als Ort der Begegnung und des Studiums fungierte. 

Der Young Curators Workshop der 9. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst fand vom 8. bis 17. September 2016 statt. 13 junge Kuratoren aus elf Ländern wurden von der Jury aus den zahlreichen Bewerbungen aus aller Welt ausgewählt. Programm und Konzept für den Workshop sowie die öffentlichen Begleitveranstaltungen hatte der Philosoph Armen Avanessian entwickelt und unter den Titel "Post-contemporary Art" gestellt. Laut Avanessian konzentriert sich die Post-contemporary Art darauf, institutionelle Mechanismen zu aktivieren und sie auf ihre progressiven Tendenzen und Grenzen abzuklopfen, anstatt diese bloß zu kritisieren. Kernfragen des Workshops waren demnach inwieweit Biennalen den Aufbau von Infrastrukturen strategischer angehen und globale Kapitalflüsse stärker in eine politisch fortschrittliche Richtung gelenkt werden können.

13 junge Kuratoren aus elf Ländern nahmen am 5. Jungkuratorenworkshop teil, dessen Programm María Inés Rodríguez entwickelt hat. Unter dem Titel "The Exhibition: Metamorphosis of a Concept" griff Rodríguez den konzeptionellen Ansatz der 8. Berlin Biennale auf: die Verhandlung des 19. Jahrhunderts in der heutigen Kulturlandschaft. Ausgehend von der Annahme, dass sich mit den Weltausstellungen im späten 19. Jahrhundert das Format der Ausstellung als autonome Entität etabliert hat, wurden die jeweiligen zeitgenössischen Herangehensweisen untersucht und das Verständnis vom Ausstellungsmachen diskutiert. Im Workshop stand die Ausstellung als aktiver, politischer Raum, der offen für Auseinandersetzungen und Experimente ist im Fokus – denn auf diese Weise wird er von Kuratoren, Künstlern und der Öffentlichkeit wahrgenommen und genutzt.

Unter dem Titel "Curating in Times of Need" wurden 14 internationale Nachwuchs-Kuratoren zum 4. Jungkuratorenworkshop vom 29. Mai bis 06. Juni nach Berlin eingeladen. Inhaltlich orientierte sich der Workshop an den Kernthemen der 7. Berlin Biennale, darunter das Zusammenspiel von Kunst und politischem Engagement sowie die Fragen nach dem Einfluss künstlerischer und kuratorischer Praxis auf die Gesellschaft. Im Workshop lag der Schwerpunkt auf den zivilgesellschaftlichen Antworten lokaler Künstler und Kuratoren auf die arabischen Revolutionen. Ihre künstlerischen Strategien wurden auf ihr Potential hin untersucht, die Revolutionen zu "übersetzen" und die Zukunft der Demokratie wieder vorstellbar zu machen.

Der Jungkuratorenworkshop mit dem Titel "Real Players" bot grenzüberschreitenden Meinungs- und Erfahrungsaustausch sowie die Möglichkeit, das Rahmenprogramm der 6. Berlin Biennale aktiv mitzugestalten. Zu den im Rahmen von Real Players behandelten Themen gehörten Methoden zur Einbeziehung eines weiter gefassten sozialen oder politischen Umfeldes, um den normativen Ausstellungskontext zu umgehen, sowie die Frage nach Gestaltung und Offenlegung von veränderter Kulturproduktion und institutionellen Schaffensprozessen. Dazu beinhaltete der Workshop unterschiedliche Ausbildungsformate – von partizipatorischen Sitzungen über Spaziergänge bis hin zu eher klassischen Vorträgen und Debatten.

"Eyes wide open" lautete der Titel des 2. Jungkuratorenworkshops, an dem 14 junge Kuratoren aus ebenso vielen Ländern teilnahmen und der sich mit dem Verhältnis Zentrum-Peripherie auseinandersetzte. Die 5. Berlin Biennale begab sich in die unterschiedlichsten Stadtteile Berlins und beschäftigte sich mit der vergangenen und aktuellen Geschichte der einst geteilten Stadt. Vor diesem Hintergrund untersuchten und diskutierten die Teilnehmer des Jungkuratorenworkshops die Frage, wie man dem Trend der gut etablierten Mega-Ausstellungen in den Städten begegnet und wie man neben einem professionellen Publikum auch die lokale Bevölkerung erreichen kann.

Unter dem Titel "Fast Forward" fand der erste Jungkuratorenworkshop im Rahmen der 4. Berlin Biennale statt. Vom 22. bis 28. März wurden im Berliner Goethe-Institut in Seminaren und Arbeitsgruppen konzeptionelle wie organisatorische Prozesse des internationalen Ausstellungswesens diskutiert und analysiert. Die jungen Kuratoren bekamen die Möglichkeit, die Artists' Talks der "bb4" selbst zu gestalten und zu moderieren sowie wichtige Persönlichkeiten aus ihrem Fach und dem internationalen Kunstbetrieb (u.a. Hans-Ulrich Obrist, Okwui Enwezor, Saskia Bos oder Niklas Maak) kennen zu lernen und sie über ihre Arbeit zu befragen.