Wer: Forensis ( Forensic Architecture  )

Wo: Aegan region, Berlin, London, online

Mit wem:  Investigative Commons  

Das vorgeschlagene Projekt wird die Ergebnisse von drei unabhängigen, aber zusammenhängenden Menschenrechtsuntersuchungen entwickeln, produzieren und ausstellen. Jede dieser Untersuchungen betrifft Rechtsverletzungen, staatliche Gewalt und staatliches Fehlverhalten sowie Verfolgungen, denen Geflüchtete und Migrant*innen durch das anhaltende und sich entwickelnde Grenzregime der EU ausgesetzt sind. Dazu gehören die südöstliche Grenze der Staatengemeinschaft und die Ägäis. Die Recherchen werden gemeinsam mit Partnern aus den Bereichen der zeitgenössischen investigativen Praxis, der Kunst und Kultur, des Menschenrechtsaktivismus und des Rechts durchgeführt.

FORENSIS nutzt die Methodologien der „investigativen Ästhetik“, die mit großem Erfolg von FA entwickelt und verbreitet wurde, um technologische und technische Untersuchungsmethoden einzusetzen, die neues Beweismaterial generieren, das sich auf schwere Menschenrechtsverletzungen bezieht, und um diese Beweismittel nicht nur in Gerichten und juristischen Verfahren einzusetzen, sondern auch mithilfe von Kunst- und Kulturinstitutionen in ganz Europa und weltweit zu verbreiten.

Gemeinsam werden die drei Projekte gegenwärtige Schlüsselprobleme im Bereich der Menschenrechte untersuchen: Grenzregimes, das Verweigern von Asyl, Versagen bei der Seenotrettung, systematische Kriminalisierung und absichtliche Gefährdung vulnerabler Menschen. Die Tatsache und Natur dieser andauernden Verletzungen untergräbt entscheidend die offizielle Haltung der EU zu Menschenrechten. Für FORENSIS und das Netzwerk der zivilen Akteure, in die die Institution eingebettet ist, ist es dringend notwendig, diese Praktiken durch innovative investigative Techniken, Engagement, rechtliche Maßnahmen und kulturelle Intervention zu exponieren und gegen sie vorzugehen.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungsprojekte werden in Form von Ausstellungen und Kulturveranstaltungen in ganz Europa veröffentlicht. Die Nutzung künstlerischer und kultureller Räume ist ein fundamentaler Bestandteil der Arbeit von FORENSIS und seiner Schwesteragentur Forensic Architecture in London. Kunst- und Kulturorte haben ein immenses Potenzial als Orte, wo Verantwortungsübernahme eingefordert werden kann, wo Rechtsverletzungen ein öffentliches Forum bekommen können, vermittelt, wahrgenommen und weitergetragen werden können. FORENSIS will nicht nur spezifische Rechtsverletzungen beleuchten, sondern auch eine kritische und öffentliche Auseinandersetzung mit den Methoden der Agentur selbst befördern, und gleichzeitig mithilfe kultureller Foren neue technologische und theoretische Möglichkeiten aufzeigen, mit deren Hilfe die Zivilgesellschaft Rechenschaft für staatliche Gewalt verlangen kann.