Jean-Améry-Preis für europäische Essayistik

© IWM/ Klaus Ranger & Zsolt Marton

Der Verlag Klett-Cotta und die Allianz Kulturstiftung verleihen den Jean-Améry-Preis für europäische Essayistik 2020 an den herausragenden Denker und Publizisten Ivan Krastev. Die Jury – unter Vorsitz von Robert Menasse – begründet ihre Entscheidung für die Vergabe des mit 15.000 Euro dotierten Preises wie folgt:

„Die Klarheit des Denkens gegen die Verabredungen der Zeit: Das ist es unter anderem, was Ivan Krastev mit Jean Améry gemeinsam hat. Krastev untergräbt in seinen Annäherungen an unsere Gegenwart diskursive Oberflächen, um ganz im Sinne des Jean Améryschen Aufklärungsbegriffs das Augenmerk darauf zu richten, was verdrängt wird und nicht wieder gut zu machen ist, umso mehr aber bedacht gehört. Er untersucht in seinem Werk akribisch die Frage, was Demokratie und Liberalismus jenseits des Phrasenhaften bedeuten, und macht deutlich, dass ihre Tragfähigkeit nur dann gegeben ist, wenn immer wieder aufs Neue verstanden wird, dass Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden ist. [...]“

Die weiteren Jurymitglieder sind der Autor und Historiker Philipp Blom, die Schriftstellerin Ulrike Draesner, die Literaturkritikerin Katja Gasser, der Verleger und Lyriker Michael Krüger sowie der Literaturwissenschaftler Thomas Strässle.

Die Preisverleihung findet am 4. Mai 2020 um 18:30 Uhr im Maxim Gorki Theater in Berlin statt. Im Anschluss an die Preisverleihung wird Ivan Krastev im Rahmen der Diskussionsreihe „Berliner Korrespondenzen“ mit der Philosophin Susan Neiman im Gespräch sein.

Zum Jean-Améry-Preis:
Seit 2015 schreibt die Allianz Kulturstiftung gemeinsam mit dem Klett-Cotta Verlag alle zwei Jahre den Jean-Améry-Preis europaweit aus. Eine gewählte Jury aus namhaften Autor*innen, Literaturwissenschaftler*innen und Kritiker*innen verdeutlicht den europäischen Geist des Preises. Die zur Erinnerung an Jean Améry gestiftete Auszeichnung wird für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet des zeitkritischen literarischen Essays vergeben, sie soll das öffentliche Interesse an aktuellen Themen und Formen der Essayistik stärken und den gesellschaftlichen Diskurs fördern.
Der Preis wurde 1982 von der Witwe Jean Amérys, gemeinsam mit dessem Verlag Klett-Cotta, ins Leben gerufen und bis 1991 vier Mal vergeben. Nach ihrem Tod hat der Schriftsteller Robert Menasse den Jean-Améry-Preis im Jahr 2000 wiederbelebt.

Pressemitteilung

4. Mai 2020

Preisverleihung im Maxim Gorki Theater
Begrüßung: Ulrike Draesner
Laudatio: Shalini Randeria

2018 wurde der Jean Améry-Preis an den österreichischen Schriftsteller Karl-Markus Gauß verliehen. Die Preisverleihung fand am 11. Februar in der Akademie der Künste in Berlin statt. Jurymitglieder waren: László Földényi (Budapest), Gila Lustiger (Paris), Michael Krüger (München), Christina Weiss (Kulturstaatsministerin a.D., Berlin) und Robert Menasse (Wien).

2016 ging der Jean Améry-Preis an den polnischen Dichter und Essayisten Adam Zagajewski. Die Preisverleihung erfolgte am 02. März in Berlin, die Laudatio hielt der ungarische Literaturwissenschaftler László Földényi, der Mitglied der Jury war. Die anderen Jurymitglieder waren: Gila Lustiger (Paris); Michael Krüger (München); Claudio Magris (Triest); Christina Weiss (Kulturstaatsministerin a.D., Berlin); Robert Menasse (Wien).