Das Weiße Meer - Literaturen rund ums Mittelmeer

Der Titel im Seeflaggenalphabet:
DETI I BARDHË (alb.), IL MARE BIANCO (ital.) und DAS WEISSE MEER

Die Veranstaltungsreihe „Das Weiße Meer“ (arabische Übersetzung von ‚Mittelmeer‘) soll den einzigartigen Kulturraum der mediterranen Welt in den Mittelpunkt einer öffentlichen Debatte rücken.

Die verschiedenen Volksgruppen der Mittelmeerregion verbindet mehr miteinander als die gegenwärtigen politischen Konflikte und wirtschaftlichen Ungleichheiten im Mittelmeerraum vermuten lassen. Seit Beginn der historischen Aufzeichnungen waren die Küsten des Mittelmeeres stets durch Handelswege auf einzigartige Weise miteinander verbunden – vom islamisch-arabischen Kulturkreis und dem byzantinisch geprägten Osten Europas bis zu den westeuropäischen Hafenmetropolen - denn „auf allen Handelsschiffen fuhren stets auch die Götter mit im Gepäck“. (David Abulafia)

In das „Das Weiße Meer“ wird dieser historische Kulturaustausch wieder sichtbar. Historiker, Philosophen und Schriftsteller verschiedener Generationen und unterschiedlicher Herkunft kommen hier miteinander ins Gespräch und diskutieren über das Verbindende und Trennende ihres gemeinsamen kosmopolitischen Erbes. Dabei entstehen neue Narrative für die Region, die nationalistische oder fundamentalistische Diskurse überwinden helfen.

Die Veranstaltungsreihe fand 2012 erstmals in Berlin und Triest statt und wird seither jährlich rund um das Mittelmeer fortgeführt.

Gewinner des Deutschen Kulturförderpreises 2014

Gewinner des Deutschen Kulturförderpreises 2014

Bisherige Stationen

Am 13.02. 2018 kamen die Historiker Leyla Dakhli und David Abulafia, der Politikwissenschaftler Claus Leggewie sowie der Schriftsteller Rainer Merkel im Literarischen Colloquium Berlin zusammen, um auf aktuelle und historische Transformationsprozesse im Mittelmeerraum einzugehen. Themen wie die Geschichte der kosmopolitischen Hafenstädte, Abschottung, Krieg, Klimawandel und Massentourismus wurden angesprochen und von den Teilnehmern diskutiert, weiterhin die Frage, wie Europa vom Süden her neu zu denken wäre.

Der Kultur- und Literaturwissenschaftler Markus Messling vom Centre Marc Bloch leitete das Gespräch.

Eines der wichtigsten Bücher, das die Flucht vor den Nationalsozialisten erzählt, ist der Roman Transit von Anna Seghers, dessen Handlung zum großen Teil in Marseille spielt. Heute ist das Mittelmeer wieder zu einem Ort der Angst und der Flucht, aber auch zu einem Ort der Hoffnung auf ein besseres Leben geworden.

Im Rahmen des neuen Literaturfestivals Oh les beaux jours ! kamen Autoren aus unterschiedlichen Ländern in Marseille zusammen, sie alle bestätigen sowohl in ihren Werken als auch in ihren eigenen Biographien, wie bereichernd Migration an sich nicht nur in Europa wirkt.

Berlin wird häufig als westlichste Hauptstadt Osteuropas bezeichnet und Marseille als nördlichste Metropole des Maghreb. Welche Brückenfunktionen übernehmen beide Städte, die oft als Zentren von Parallelgesellschaften und Unterwelt beschrieben werden, zwischen Ost und West bzw. Südeuropa und Nordafrika? Diesen und anderen Fragen widmeten sich französische und osteuropäische Autoren in der Veranstaltung "Marseille – Berlin: Tore zu anderen Welten".

Unter dem Titel Odyssee nach Europa sprachen sechs Autoren und Autorinnen aus ihrer ganz persönlichen Sicht über das Drama der Massenflucht nach und durch Europa. Im Zentrum der Gespräche stand die Flucht von Syrien über die sogenannte Balkanroute sowie die Errichtung neuer Grenzzäune innerhalb Europas.

Bei der Veranstaltung Thessaloniki – Reinventing Diversity beschäftigten sich Autoren und Künstler Griechenlands und der benachbarten Länder mit der Frage, wie Thessaloniki aus seinem multikulturellen Erbe eine Zukunftsvision entwickeln und in Zusammenarbeit mit anderen urbanen Zentren der Region, die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern kann und welche Rolle die heutigen Einwanderer dabei spielen.

Unter dem Titel Syrien im Exil diskutierten Autoren, die ihr Exil in Europa gefunden haben oder die sich mit Syrien in ihren Romanen auseinandersetzten.

Die Autoren berichteten von Flucht, Heimweh und einer kaum wahrgenommenen aktiven künstlerischen Szene in- und außerhalb Syriens, die neue Freiheitsräume auszuloten versucht und einen friedlichen Protest abseits der Kriegsschauplätze führt.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung Identities in Motion standen die multiplen kulturellen Identitäten, die sich rund um das Mittelmeer entwickelt haben und die die gegenseitige Wahrnehmung von Arabern und Europäern bis heute prägen.

Unter dem Titel Erinnerungsraum Europa sprachen acht Autoren verschiedener Generationen aus Albanien, Ägypten, Deutschland und der Schweiz über Verbindendes und Trennendes des gemeinsamen mediterranen Erbes. Die Autoren gingen der Frage nach, welches kollektive Gedächtnis sich in der mediterranen Welt mit ihrer langen Geschichte gemeinsamer kultureller Traditionen und einer von Gegensätzen geprägten Gegenwart herausgebildet hat.

Unter dem Titel Das Mittelmeer als ewige Fantasie diskutierten und lasen Autoren aus Deutschland, Italien, Kroatien und Albanien und beschäftigten sich mit der Frage, welche Rolle das Erbe der antiken Mittelmeerkulturen für unsere Gegenwart noch spielt.
 

Unter der Überschrift Zwischen Mittelmeer und Mitteleuropa: Die zwei Seelen der mediterranen Literatur wurde in Triest der Frage nachgegangen, inwieweit das Meer in den Literaturen Italiens, Kroatiens und Sloweniens eine Rolle spielt. Während der Veranstaltungstage wurde in den Diskussionen der Fokus besonders auf die verbindenden Elemente des mediterranen Erbes in den verschiedenen Kulturen gelegt.
 

Die Auftaktveranstaltung am 7. Juli 2012 im Literarischen Colloquium Berlin stellte sich dem Thema Das gemeinsame antike Erbe der Mittelmeerkulturen. Sechs prominente Autoren aus dem Mittelmeerraum und Deutschland versammelten sich, um diese Thematik gemeinsam zu reflektieren. Welche verbindende oder trennende Rolle spielt das kulturelle Erbe heute im Mittelmeerraum? Welche großen Mythen und Erzählungen prägen diese Kulturen bis in die Gegenwart?