Europäische Schriftstellerkonferenz

Mit der Europäischen Schriftstellerkonferenz soll eine Verständigung über europäische Identitäten und Lebenswelten erreicht werden - jenseits des alltäglichen Mediendiskurses, der Europa fast ausschließlich aus dem Blickwinkel politischer und wirtschaftlicher Interessen diskutiert.

Dreißig europäische Schriftsteller unterschiedlicher Herkunft und Sprachen und mit verschiedenen Erfahrungshorizonten kommen auf der Konferenz zusammen, um miteinander zu diskutieren. Biografien, Lebensstile, Narrative des Alltags, aber auch Produktionsbedingungen und Herrschaftsverhältnisse klingen in einer Vielstimmigkeit und Vielsprachigkeit an, die Europas Einzigartigkeit sichtbar werden lassen.

Die Konferenz knüpft an eine ähnliche Tagung im Mai 1988 in West-Berlin an, die unter dem Motto „Traum von Europa“ die Zukunft des europäischen Kontinents vor dem Hintergrund der europäischen Teilung diskutierte. In einem Europa der Krisenherde, in dem die Friedensgesellschaft des ausgehenden 20. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein scheint, wird die Verständigung über Lebensanschauungen, gesellschaftliche Wirklichkeiten und kulturelles Selbstverständnis immer wichtiger für den Erhalt der Zivilgesellschaft. Europa hat Geschichten und diese Geschichten müssen erzählt werden.

Die Europäische Schriftstellerkonferenz ist eine Initiative der Autorinnen und Autoren Mely Kiyak, Antje Rávic Strubel, Nicol Ljubić und Tilman Spengler sowie von Frank-Walter Steinmeier und wird alle zwei Jahre in Berlin ausgerichtet. Begleitet wird die Konferenz von der Langen Nacht der Literatur im Deutschen Theater Berlin.

Statement von Frank-Walter Steinmeier, 8 Mai 2014

"1988 sind Schriftsteller aus ganz Europa in West-Berlin zusammengekommen und haben auf einer Konferenz den Traum von Europa geträumt. Derselbe Traum hat wenig später die friedlichen Revolutionäre auf den Alexanderplatz im Osten der geteilten Stadt, auf den Wenzelsplatz in Prag und auf die Werften von Danzig getrieben. Wenn ich heute als Außenminister in der Welt unterwegs bin, dann spüre ich, dass dieser Traum längst nicht nur in Europa geträumt wird. Er beflügelt junge Menschen in der Ukraine genauso wie in Nordafrika, Asien und Lateinamerika. Es ist der Traum von Demokratie und Rechtsstaat, von der Freiheit des Einzelnen und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Wenn ich aus der Welt nach Europa zurückkomme, sehe ich natürlich, dass dieser Traum auch bei uns noch ein gutes Stück von der Wirklichkeit entfernt ist. Das erleben wir in aufgeheizten Debatten über Freizügigkeit. Wir hören es, wenn sich Unmut über die „Regulierungswut“ Brüssels Luft macht. Wir spüren es besonders, wo gerade junge Menschen unter der wirtschaftlichen Krise leiden. Umso wichtiger ist es, dass wir den Traum nicht aus den Augen verlieren. Denn er weist uns die Richtung, wenn wir die Probleme anpacken, die Teil unserer europäischen Wirklichkeit sind. Dabei kann uns die Erinnerung an die europäischen Schriftsteller und Revolutionäre von 1989 nur ermutigen. Sie haben geschafft, was vorher undenkbar schien. Sie haben die Berliner Mauer geschleift und den Eisernen Vorhang zerrissen. Dass sich Grenzen überwinden lassen, ist eine europäische Urerfahrung. Der Traum von Europa endet nicht an Schlagbäumen. Und er verblasst nicht mit den Jahren. Er bleibt unsere beste Antwort auf eine globale Wirklichkeit. Das macht uns Mut, wenn es heute darum geht, eine neue Spaltung Europas zu verhindern. Mit Europas Traum vor Augen sind wir in den letzten Jahren unglaublich weit gekommen. Diesen Traum müssen wir mit Phantasie und Wirklichkeitssinn weiterdenken. Deshalb freue ich mich auf die Schriftstellerkonferenz Europa – Traum und Wirklichkeit."

Bisherige Konferenzen

  • Was kann Literatur für die Verständigung über europäische Identitäten und Lebenswelten leisten? Welche Alternativen können Schriftsteller zu rein politischen und medialen Diskursen beitragen? Welche Rolle kann Kultur in einem von Populismus und Nationalismus bedrohten Europa spielen? Gemeinsam mit Frank-Walter Steinmeier luden Mely Kiyak, Nicol Ljubić, Tilman Spengler und Antje Rávic Strubel am 09. und 10. Mai 2016 30 Autoren aus ganz Europa und dem Nahen Osten nach Berlin ein, um mit ihnen unter dem Motto „GrenzenNiederSchreiben“ über diese Fragen zu diskutieren.

    Beteiligte Autoren waren u.a.: Paolo Giordano (Italien), Joanna Bator (Polen), György Dragomán (Ungarn), Serhij Zhadan (Ukraine), Jaroslav Rudiš (Tschechien), Ágnes Heller (Ungarn), Leonidas Donskis (Litauen), Kefah Ali-Deeb (Syrien).

  • 2014 fand die erste Europäische Schriftstellerkonferenz mit dem Titel „Europa – Traum und Wirklichkeit“ statt und widmete sich den zerrüttenden Folgen der Wirtschaftskrise und dem damals gerade entbrannten Ukrainekonflikt. Am 8. Und 9. Mai diskutierten über 30 Schriftsteller unter dem Motto "Europa - Traum und Wirklichkeit", ob Literatur ein Europa schaffen kann, ob Grenzen oder Menschen den Kontinent definieren, wie Europa aus der Perspektive von Minderheiten aussieht und ob der europäische Traum nur noch für ein Freilichtmuseum taugt. Fragen wie diesen stellten sich die europäischen Autoren am 8. Mai in vier Diskussionsrunden. Im Anschluss fand im Deutschen Theater die Lange Nacht der Europäischen Literatur statt, bei der die Vielfalt der literarischen Stimmen Europas zu Gehör kam.

    Am 9. Mai veranstaltete die Alfred Herrhausen Gesellschaft ebenfalls unter dem Titel „Europa – Traum und Wirklichkeit“ ein Symposium, bei dem Redner aus verschiedensten Erdteilen und Disziplinen ihre Ideen zum europäischen Traum in einer globalen Wirklichkeit austauschten. Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf dem Blick von Außen.

    Es diskutierten u.a. die Schriftsteller: Janne Teller (Dänemark), Goran Vojnović (Slowenien), Michail Schischkin (Russland), Richard Swartz (Schweden), Maja Haderlap (Österreich), Ágnes Heller (Ungarn) und Leonidas Donskis (Litauen).

Was kann Literatur für die Verständigung über europäische Identitäten und Lebenswelten leisten? Welche Alternativen können Schriftsteller zu rein politischen und medialen Diskursen beitragen? Welche Rolle kann Kultur in einem von Populismus und Nationalismus bedrohten Europa spielen? Gemeinsam mit Frank-Walter Steinmeier luden Mely Kiyak, Nicol Ljubić, Tilman Spengler und Antje Rávic Strubel am 09. und 10. Mai 2016 30 Autoren aus ganz Europa und dem Nahen Osten nach Berlin ein, um mit ihnen unter dem Motto „GrenzenNiederSchreiben“ über diese Fragen zu diskutieren.

Beteiligte Autoren waren u.a.: Paolo Giordano (Italien), Joanna Bator (Polen), György Dragomán (Ungarn), Serhij Zhadan (Ukraine), Jaroslav Rudiš (Tschechien), Ágnes Heller (Ungarn), Leonidas Donskis (Litauen), Kefah Ali-Deeb (Syrien).

2014 fand die erste Europäische Schriftstellerkonferenz mit dem Titel „Europa – Traum und Wirklichkeit“ statt und widmete sich den zerrüttenden Folgen der Wirtschaftskrise und dem damals gerade entbrannten Ukrainekonflikt. Am 8. Und 9. Mai diskutierten über 30 Schriftsteller unter dem Motto "Europa - Traum und Wirklichkeit", ob Literatur ein Europa schaffen kann, ob Grenzen oder Menschen den Kontinent definieren, wie Europa aus der Perspektive von Minderheiten aussieht und ob der europäische Traum nur noch für ein Freilichtmuseum taugt. Fragen wie diesen stellten sich die europäischen Autoren am 8. Mai in vier Diskussionsrunden. Im Anschluss fand im Deutschen Theater die Lange Nacht der Europäischen Literatur statt, bei der die Vielfalt der literarischen Stimmen Europas zu Gehör kam.

Am 9. Mai veranstaltete die Alfred Herrhausen Gesellschaft ebenfalls unter dem Titel „Europa – Traum und Wirklichkeit“ ein Symposium, bei dem Redner aus verschiedensten Erdteilen und Disziplinen ihre Ideen zum europäischen Traum in einer globalen Wirklichkeit austauschten. Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf dem Blick von Außen.

Es diskutierten u.a. die Schriftsteller: Janne Teller (Dänemark), Goran Vojnović (Slowenien), Michail Schischkin (Russland), Richard Swartz (Schweden), Maja Haderlap (Österreich), Ágnes Heller (Ungarn) und Leonidas Donskis (Litauen).