Kunst / Politik

Angesichts politischer und gesellschaftlicher Krisen wächst die Erwartungshaltung gegenüber der Kunst: Sie soll auf Missstände reagieren und sich selbst die Frage stellen, ob und wie sie politisch wirksam sein kann. Bereits mit den Avantgarden des 20. Jahrhunderts entwickelten sich zahlreiche künstlerische Ansätze, mit denen Kunst politisch gedacht wurde. Ob der Versuch unternommen wurde, die Trennung zwischen Kunst und Leben aufzulösen oder die Institution kritisch zu durchleuchten, stets stand die Veränderung herrschender Verhältnisse im Vordergrund. Die zentrale Frage, inwiefern Kunst die Krisen ihrer Zeit nicht nur thematisieren, sondern auch deren Beseitigung beeinflussen kann, bleibt bis heute virulent.

In der aktuellen Auseinandersetzung spielen insbesondere postkoloniale, feministische und queere Ansätze eine Rolle. Ebenso steht die kritische Befragung einer zunehmenden Ökonomisierung des Kunstmarkts, eurozentristischer Perspektiven und der Globalisierung im Raum. Gleichzeitig kommt die Frage auf, inwiefern Kunst sich unabhängig von ökonomischen und sozialen Prozessen und Strukturen positionieren kann, die sie kritisiert. Wie kann Kunst politische Handlungsräume erschaffen? Wie können gesellschaftspolitische Problemstellungen nicht nur abgebildet, sondern eine aktive Rolle im Umgang mit diesen eingenommen werden? Auf welche Weise kann künstlerische Praxis ein Gegenbewusstsein darstellen und scha en? Wie gelingt es ihr, neue Denkmuster und Sehgewohnheiten zu etablieren?

Die Tagung Kunst / Politik in Zusammenarbeit mit dem Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.) ging den vielfältigen Fragestellungen und Strategien nach, die das Verhältnis von Kunst und Politik bestimmen. Untersucht wurden konkrete Beispiele der Politisierung künstlerischer Praxis ebenso wie die generellen Möglichkeiten von politischer Kunst.  Künstler*innen, Theoretiker*innen und Kurator*innen unterschiedlicher Generationen ihre jeweilige Praxis vor, um sie anschließend gemeinsam zu diskutieren. Dabei wurden sowohl Einblick in aktuelle künstlerisch-politische Ansätze gegeben, als auch grundlegende Fragen des Zusammenhangs von Kunst und Politik verhandelt. 

Mit Boris Buden, Catherine David, Hans Haacke, Alfredo Jaar, Trevor Paglen, Alexandra Pirici, Kerstin Stakemeier, Hito Steyerl, Adam Szymczyk, Klaus Theweleit, Rosemarie Trockel und Franciska Zólyom.

WAS IST KRITIK? (2016)

Die Konferenz war Nachfolgerin eines mehrtätigen Philosophie-Symposiums, in dem das Thema "Kritik" in ihrer zentralen Funktion für die Zivilgesellschaft diskutiert wurde. Die angewandte Kritik im kulturellen Feld war Schwerpunkt der Diskussionen und Vorträge. Ein besonderer Augenmerk lag dabei auf dem Niedergang der Kritik in Feuilletons, wobei neben der Bildenden Kunst und Philosophie auch die Bereiche Literatur und Musik im Fokus der Auseinandersetzung standen. 

Das Symposium wurde als ein offener Denk- und Diskursraum gestaltet, der jenseits akademischer Zirkel auch das breite Publikum in die philosophische Debatte einbezog. Kritikfähigkeit und Kritikoffenheit gelten als ein unverzichtbarer Bestandteil einer demokratischen, aufgeklärten und pluralistischen Gesellschaft. Welche Bedeutung aber hat die Kulturtechnik der Kritik heute? Stellt sie weiterhin das Fundament der europäischen Zivilgesellschaft dar? Über diese Fragen diskutierten internationale Philosophen, Wissenschaftler, Künstler, Theoretiker und Autoren. 

Jean-Luc Nancys Vortrag "Unser Zeitalter ist nicht mehr das eigentliche Zeitalter der Kritik" markierte am 28. Januar 2016 im HAU Hebbel am Ufer den Auftakt des mehrteiligen Symposiums, das am 6. und 7. Februar 2016 im Neuen Berliner Kunstverein und am 1. und 2. April in der Zürcher Hochschule der Künste stattfand.