Anterior – τώρα – Futures

Lesbos, Griechenland. Durch ihre Geschichte und gegenwärtige Situation ist die Insel Lesbos ein Beispiel für das destruktive Potential einer jahrhundertelangen Kolonisierung sowie der gegenwärtigen europäischen Grenzpolitik. Seit 2015 hat sich die Lage auf der Insel zugespitzt. Die Krise setzt sich fort, die Grenzen haben sich verfestigt. 

Das Zeitalter der Technologien: Das einst utopische Versprechen des demokratischen Internets hat sich durch monolithische Algorithmen in eine Spirale der Kontrolle verwandelt, koloniale und migrationsfeindliche Diskurse beeinflussen die zeitgenössische Politik, die Medien und die öffentliche Meinung.

Das Projekt Anterior - τώρα - Futures möchte die gegenwärtige Realität durch eine Unterbrechung der alltäglichen Informationsflut in Frage stellen. Dafür blickt es zugleich zurück wie auch nach vorn. Zurück zum Druck und vorwärts zu kollaborativen, partizipatorischen Schaffensprozessen und experimentellen künstlerischen Ausdrucksformen.

Anterior - τώρα - Futures ist eine kollektive Initiative, die kulturellen Austausch, postkoloniales Storytelling und kritische Kunst- und Medienproduktion ermöglichen möchte. Das Projekt bringt Nachkommen der 1922 auf die Insel Geflüchteten mit den heutigen Neuankömmlingen zusammen, um gemeinsam Vergangenheit, Gegenwart und eine mögliche Zukunft zu reflektieren. Einem rückwärtsgewandtem „Othering“ gegenüber Migrant*innen setzt es Solidarität und Kreativität entgegen.

Die Initiative wurde von Künstler*innen und Aktivist*innen ins Leben gerufen, die ihre Leidenschaft für künstlerischen Ausdruck mit kritischen Diskursen verbindet, um migrationsfeindliche Narrative zu entlarven und in einer zugespitzten Krisensituation Freiräume zu ermöglichen.

anterior: living memories of 1922

Rebetiko 2022

Nach dem griechisch-türkischen Krieg von 1919-1922 flohen rund 1 Million griechisch-orthodoxe Menschen aus der Türkei nach Griechenland. Viele von ihnen passierten Lesbos und ließen sich auf der Insel nieder. Heute sind viele der Bewohner*innen Nachkommen der Geflüchteten von 1922.

Mit den Geflüchteten kam der Rebetiko - auch als urbane Musik der Rebellion der Griech*innen, vor allem der Armen, beschrieben. Die Geflüchteten brachten ihre Lieder mit und prägten damit die urbane Musik Griechenlands. Rebetiko ist bekannt für die Verbindung zwischen traditionellen Musikformen des Ostens und für seine Texte über Not und Migration.

Heute ist der Rebetiko sehr populär auf Lesbos, und viele Musiker*innen und Musikliebhaber*innen setzen sich dafür ein, die Tradition am Leben zu erhalten. Es gibt regelmäßig Rebetiko-Veranstaltungen mit Liedern aus den 20er bis 70er Jahren. Die Lieder handeln von Migration, Armut und Unterdrückung, bleiben jedoch fern von den Geflüchteten auf Moria und ihren Problem. Als Reaktion auf diese Gleichzeitigkeit haben Schriftsteller*innen und Dichter*innen mit unterschiedlichem Backround neue Rebetiko-Lieder geschrieben. Das Ergebnis ist eine Publikation, mit der griechische Musiker*innen eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, dem Davor und der τορα schlagen können.

Hier finden Sie eine Vorschau der neuesten Publikation "Τα ρεμπέτικα της Μόριας" (Rebetiko aus Moria), mit neuen Rebetiko-Liedern und überarbeiteten Bildern aus der Vergangenheit.

Talking to the walls

Die Plakate entstanden immer Sommer 2020 während eines Risographie-Workshops auf Lesbos. Migrant*innen, Aktivist*innen und einheimische Griech*innen nahmen daran teil und versuchten, den Dialog in Zeiten der Covid-Pandemie fortzusetzen. Diese und weitere Poster finden Sie hier. Die Plakate werden in einer Publikation veröffentlich und können gleichzeitig als Buch sowie als Plakatsammlung benutzt werden.

EUtopia

Ein künstlerischer Ausdruck und neue Narrative über die gegenwärtige Grenzkrise.

Dieses Bild ist das Ergebnis eines Projekts mit dem Titel ‘a collective imaginary of elsewhere": Ein forschungsbasierter digitaler Austausch zwischen Künstler*innen und Migrant*innen, die im Lager Moria lebten – über Sehnsücht und europäische Träume. Ein kollektive imaginäre Zukunft, irgendwo zwischen Realität und Absurdität.

Weitere Informationen zum Bild finden Sie hier.