Call for Projects 2020

Kultur macht Mut zur offenen Gesellschaft

Schrumpfende Freiräume für Kultur und zivilgesellschaftliches Engagement

Überall auf der Welt zeigen Menschen Mut. Unter steigendem Druck verteidigen Künstler*innen und Kulturschaffende die Freiheit der Meinung und des Ausdrucks und sehen sich oft gezwungen, dafür ins Exil gehen zu müssen. Couragierte Bündnisse kämpfen für Inklusion und gesellschaftliche Anerkennung, obwohl sie von populistischen und nationalistischen Bewegungen vehement angegriffen werden. Tag für Tag stehen soziale Minderheiten, LGBTQI-Personen, Migrant*innen und ihre Unterstützer*innen nicht nur in Europa für offene, diskriminierungsfreie und gerechte Gesellschaften ein, während viele lautstark ihren Ausschluss fordern.

Die Räume und Foren für solchen Mut werden jedoch immer enger – auch in den vermeintlich offenen Gesellschaften Europas: Zivilgesellschaftliches Engagement sieht sich zunehmend restriktiver rechtlicher und politischer Rahmenbedingungen ausgesetzt. In vielen Staaten wird die translokale Kunst- und Kulturförderung beschnitten und vermehrt an nationalen Vorgaben ausgerichtet. Das geistige Klima und der Ton öffentlicher Debatten sind gezeichnet von Diffamierung, Hetze und gegenseitigem Unverständnis.

Räume für Resilienz und Solidarität schaffen

Wir sind überzeugt: Die offene Gesellschaft lebt von Menschen, die Mut zur Kontroverse und zur eigenen Meinung haben. Dafür brauchen sie Freiräume, um ihre Ideen umzusetzen. Sie brauchen Resonanzräume, um ihre Projekte auch jenseits der eigenen Filterblase zur Diskussion zu stellen und ihr Wissen in gesellschaftlichen Umlauf zu bringen. Und sie brauchen Netzwerke, um sich über Landesgrenzen und Bevölkerungsschichten hinweg zu solidarisieren und mobil zu sein. Wir glauben, dass Gesellschaften immer wieder irritiert und herausgefordert werden müssen, um offen zu bleiben und sich weiter zu entwickeln. Kultur und Gesellschaft befinden sich im permanenten Wandel, daraus resultieren Spannungen und Konflikte, aber ebenso entstehen Möglichkeiten zu Veränderung und Neubeginn.

Projekte fördern, die herausfordern und überraschen

Mit unserer Förderausschreibung wollen wir Akteure erreichen, die mit den Mitteln von Kunst und Kultur dazu beitragen, Freiräume zu schaffen, eine kritische Auseinandersetzung zu ermöglichen, einen Austausch sowie eine grenzüberschreitende Vernetzung zu fördern. Wir suchen Projekte, die die Brüche unserer Gesellschaften reflektieren, die unterschiedliche Positionen einbeziehen, die einen translokalen Ansatz verfolgen, Mut zur Irritation beweisen und dadurch überraschen und herausfordern.

Dabei sind für uns Fragen des Prozesses (wer ist beteiligt?) und der Rezeption (wer wird angesprochen?) zentral, ohne dass wir Vorgaben hinsichtlich der Gattung, der Disziplin oder des ästhetischen Ansatzes machen. Wir sind offen für alle Sparten und besonders für das spartensprengende Experiment. Die eingereichten Projekte müssen hierbei nicht alle in der Ausschreibung angesprochenen Aspekte aufgreifen. Da die Fördersumme seitens der Allianz Kulturstiftung in der Regel nicht 50 % der Gesamtkosten eines Projektes übersteigen sollte, empfehlen wir Summen zwischen 30.000 bis maximal 80.000 € zu beantragen.

Kultur braucht Freiräume – und einen Partner, der sie schafft

Die Allianz Kulturstiftung ist eine gemeinnützige Kulturstiftung für Europa. Sie steht dafür ein, den Zusammenhalt in Europa mit den Mitteln von Kunst und Kultur zu stärken. Als Begleiterin eines gesellschaftlichen Wandels ist die wirkungsorientiert und unabhängig arbeitende Stiftung mit Sitz in Berlin sowohl operativ als auch fördernd tätig.

Die Stiftung engagiert sich für translokale Kunst- und Kulturprojekte in Europa und im Mittelmeerraum. In den kommenden Jahren setzt sie in ihrer strategischen Arbeit folgende thematische Schwerpunkte: sie setzt sich ein für eine offene Gesellschaft, dafür Europa auch dezentral zu denken und die Digitalisierung gemeinwohlorientiert voranzutreiben.

  • eine hohe künstlerische und inhaltliche Qualität aufweisen 
  • auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren
  • einen translokalen und grenzüberschreitenden Ansatz verfolgen
  • Europa erfahrbar machen, sowohl in der kritischen Auseinandersetzung als auch über konstruktive Angebote und Ideen
  • mittel- und langfristig eine konkrete Wirkung entfalten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern
  • sektoren- und spartenübergreifend arbeiten und eine nachhaltige Vernetzung der beteiligten Akteur*innen und Einrichtungen ermöglichen
  • zu aktiver Wissensproduktion und transdisziplinärem Erfahrungsaustausch beitragen
  • Intersektionalität, Inklusion und gerechte Teilhabe mitdenken und aktiv gestalten wollen
  • Kooperationen gleichberechtigter Partner*innen sind und in ihrem thematischen Feld Nachwuchs und nicht vorwiegend arrivierte Akteure befähigen
  • mit mutigen Ideen und überraschenden Formaten überzeugen
  • Die Antragsfrist für Projektvorhaben im Themencluster „Mut machen für eine offene Gesellschaft“, die 2020 beginnen ist der 30. September 2019. Anträge für überjährige Projekte sind möglich.
  • Projektbewilligungen werden Anfang Dezember 2019 bekanntgegeben.
  • Anträge können in deutscher und englischer Sprache eingereicht werden.
  • Anträge müssen fristgerecht per E-Mail unter folgender Adresse eingehen: applications-kulturstiftung@allianz.de (postalische Bewerbungen sind nur in begründeten Ausnahmefällen möglich).
  • Ein Antrag sollte folgende Bestandteile haben: AntragsformularFinanzplan, detaillierte Projektbeschreibung inklusive Zeitplan (max. 10 Seiten).
  • Die einzelnen Bestandteile eines Antrags sollen in einem PDF-Dokument zusammengefasst werden und eine Größe von 10 MB nicht überschreiten. Der Finanzplan (offenes Excel-Dokument) und die Einverständnis- und Datenschutzerklärung sind gesondert einzureichen.
  • Die Vollfinanzierung eines Förderprojekts ist grundsätzlich ausgeschlossen; die Fördersumme sollte in der Regel 50% der Gesamtkosten nicht übersteigen. Bei überjährigen Projekten ist ein nach Jahren gesplitteter Finanzplan einzureichen.
  • Vollfinanzierung eines Projektes
  • Einzelpersonen und Einzelfallhilfen (Reise- oder Ausbildungskosten)
  • Stipendien außerhalb der eigenen Stiftungsprogramme (Ausbildungs-/Promotionsstipendien)
  • Schulische und universitäre Aktivitäten
  • Publikationen ohne Bezug zu einem geförderten Projekt (z.B. Druckkostenbeihilfen)
  • Materialkosten für künstlerische Produktionen
  • Filmproduktionen
  • Kunst- oder Immobilienankäufe

 

  • Fehlbedarfsfinanzierung oder Etatlücken der öffentlichen Hand sowie nicht projektbezogene Kosten
  • Evaluierungsmaßnahmen außerhalb der eigenen Stiftungsprogramme
  • Baumaßnahmen
  • laufende Infrastrukturkosten bzw. Erwerb technischer Ausstattung
  • Benefizveranstaltungen und Charity Galas
  • Events im Sport- und Unterhaltungsbereich
  • kommerzielle Produktionen, Veranstaltungen und Sponsoringaktivitäten